Dokumentation abgeschlossener Projekte (wird laufend ausgebaut)
1) April 2008: Organisation von Veranstaltungen mit Augusto Boal in Wien (im Auftrag von Justizministerin Maria Berger)
nachstehender Bericht aus: http://www.pfz.at/article650.htm
„DIE MENSCHHEIT HUMANISIEREN“
Das Justizministerium hatte im Rahmen einer Initiative zur Öffnung der Justiz für Kunst und Kultur, Augusto Boal und seinen Sohn Julian Boal nach Wien eingeladen. Am Vortag hatte Boal mit 40 JuristInnen in einem Workshop gearbeitet, um zu zeigen, wie das „Theater der Unterdrückten“ die Arbeit der Justiz bereichern könne. Gastgeberin Justizministerin Maria Berger betonte in ihrer Eröffnungsrede, die Zusammenarbeit mit Boal, stelle für das österreichische Rechtswesen eine ganz neue Form der Weiterbildung dar.
Das Theater der Unterdrückten
Augusto Boal ist Begründer des „Theaters der Unterdrückten“, einer Theaterform, in der das Publikum aktiv in die Szenengestaltung einbezogen wird. Die Bezeichnung „Theater der Unterdrückten“ wählte der Theatermacher in Anlehnung an die „Pädagogik der Unterdrückten“ seines Weggefährten Paulo Freire. Genauso, wie Paulo Freire die Ermächtigung der Benachteiligten in den Mittelpunkt seines Werkes stellte, geht es auch Augusto Boal in seiner Theaterarbeit darum, Unterdrückungsverhältnisse sichtbar zu machen und gemeinsam mit dem Publikum Lösungsstrategien zu entwickeln. Bezugspunkte zur Justiz weist das „Theater der Unterdrückten“ in zweierlei Hinsicht auf: Zum einen entwickelte Augusto Boal während seiner Amtszeit als Stadtrat Rio de Janeiros (1992-1996) das „Legislative Theater“. Bei dieser Form des „Theaters der Unterdrückten“ geht es in einem ersten Schritt darum, die Probleme der Bevölkerung mithilfe partizipativer Theateraufführungen zu thematisieren. Anschließend werden aus den eingebrachten Lösungsvorschlägen Gesetzesentwürfe verfasst. Zum zweiten konnten sich seine Theaterprojekte in Strafanstalten als konstruktives Medium bewähren, um Gefangenen eine Stimme zu verleihen.
„Jedes Theater ist politisch“
Wenn er über Theater spreche, so begann Boal, spreche er über Menschen, denn das Theater spiegle menschliche Konflikte wider. Zudem sei jedes Theater politisch, da es soziale Verhältnisse zeige.
Der Vortrag von Augusto Boal stieß auf großes Interesse. (Photo: V.K.)
Boal fuhr fort, er habe sich mit seiner Theaterarbeit im Laufe seines Lebens immer wieder durch prekäre Gesellschaftsverhältnisse herausgefordert gesehen. In seinen jungen Jahren, sei die Armut das größte Problem gewesen. In der Theaterarbeit hätte sich seine Theatergruppe zu einem Höchstmaß an Kreativität gezwungen gesehen, da ihr kaum Mittel für die Umsetzung ihrer Stücke zur Verfügung gestanden seien. Während der Zeit der Militärdiktatur in Brasilien seien ihnen dann sowohl Theaterräumlichkeiten, Requisiten als auch Text genommen worden. Sie seien mit ihrem Spiel auf öffentliche Plätze ausgewichen und hätten versucht, mit Theaterstücken auf die gesellschaftlichen Missstände aufmerksam zu machen.
Nach und nach habe sich das „Theater der Unterdrückten“ daraus entwickelt. Im Dialog mit dem Publikum seien Boal und seine Theatergruppe bald zu der Erkenntnis gelangt, dass Theater nur unter zwei Bedingungen demokratisch sein könne: Es müsse die Erfahrungen der Unterdrückten miteinbeziehen und den ZuschauerInnen die Möglichkeit bieten, sich selbst aktiv am Spiel zu beteiligen. Deswegen, argumentierte Augusto Boal, habe er und sein Team sich von nun an auf die szenische Darstellung eines Problems konzentriert und die Lösung der Kreativität des Publikums überlassen.
„Theater der Unterdrückten“ seit dem Ende der Diktatur
Auch wenn die Zeit der Diktatur in Brasilien der Vergangenheit angehöre, bleibe Demokratie etwas, an das er wie an eine Utopie glaube. Solange es beispielsweise in Staaten Wahleinschränkungen für ImmigrantInnen gebe, sei wirkliche Demokratie ein „Traum für die Zukunft“.
16 Jahre verbrachte Augusto Boal im Exil und kehrte erst 1986 nach Brasilien zurück. Damals habe er erstmals aktiv eine Regierung unterstützt. Grund dafür sei der Vorsatz der Regierung gewesen, „die Bevölkerung zu Protagonisten“ zu machen. Heute, so erzählte er, engagieren sich er und sein Theaterteam in vier Bereichen: In Schulen ginge es ihnen darum, eine Pädagogik zu fördern, die das eigenständige Denken der SchülerInnen in den Mittelpunkt stelle. In Psychiatrien versuche man der üblichen Behandlung mit Medikamenten eine Behandlung mit Theaterspiel entgegen zu setzten. Mit dem Programm „Cultura Viva“ fördere man Kulturinitiativen und in Strafanstalten gebe man StrafinsassInnen durch das Theaterspielen eine Stimme. Vor noch nicht all zu langer Zeit, erzählte Augusto Boal weiter, hätten StraftäterInnen in der brasilianischen Gesellschaft einen großen Hass auf sich gezogen. Durch Theaterprojekte, bei denen Gefangene die Möglichkeit bekamen, ihre Stücke öffentlich aufzuführen, habe sich das gewandelt. Straftaten einer Gesellschaft , so fuhr er fort, zeugten immer auch von dem krankhaften Zustand, in dem sich eine Gesellschaft befinde.
Augusto Boal im Wiener Justizpalast … (Photo: V.K.)
In der anschließenden Diskussion betonte Boal die Wichtigkeit, soziale Funktionen, die Individuen in einer Gesellschaft übernehmen, als etwas Veränderbares zu betrachten. Im Hinblick auf Unterdrückungsverhältnisse in Europa hob er die Problematik des Rassismus hervor. Er kam zu dem Schluss, dass die in Angriff zu nehmende Aufgabe darin bestehe, die „Menschheit zu humanisieren“. Mit der Erklärung, dies sei die Aufgabe für das Jahr 2008, brachte er das Publikum nicht zum ersten Mal an diesem Abend zum Lachen.
VeranstalterInnen des Abends mit Augusto Boal waren:
Justizminsterium
Wiener Vorlesungen
Bundesinstitut für Erwachsenenbildung Strobl
Volkshochschule Wien
Theater der Unterdrückten, Wien
2) Juli 2011/Jänner 2012: Produktion des Theaterstücks „Strafsache Gregor Samsa“ am Bezirksgericht Meidling: Zusammenarbeit mit dem Max Reinhardt Seminar
Ankündigung
Pressebericht
Resumé
3) Zeitzeugengespräch mit Gert Hoffmann am 14. Juni 2012 in Wien – ibc
Gert Hoffmann, geb. 1917, war bereits als Jugendlicher im Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus aktiv. In einem Zeitzeugengespräch aus Anlass seines 95. Geburtstags berichtete er Schülerinnen und Schülern der Meidlinger Handelsakademie ibc aus seinem Leben:
4) Der Auschwitzprozess: Untersuchungsrichter Heinz Düx zu Gast in Wien, 22. Oct 2012
am Bezirksgericht Meidling (1120 Wien, Schönbrunner Straße 222-228, Stiege 3, 5. Obergeschoß – U4 Meidling Hauptstrasse, Ausgang Ruckergasse)
od. tel 01-8158020232
(Ein Film von Wilhelm Rösing; 2011, 79 min.)
Podiumsdiskussion: Heinz Düx,
Untersuchungsrichter im deutschen Auschwitzprozess Wilhelm Rösing, Regisseur, Dokumentarfilmer
Moderation: Christa Zöchling, profil
danken der Bezirksvertretung Meidling für die Unterstützung.