Der Soldatenfriedhof in Neulengbach im Wienerwald ist nur einer von vielen solcher Friedhöfe, die über Österreich verteilt sind. Er erinnert uns nicht nur an die Schrecken des Krieges, sondern auch an das schwierige Verhältnis Mitteleuropas zu Russland.

480 russische Soldaten sind allein in Neulengbach begraben. 480 wohl überwiegend junge Menschen, die weit weg von ihren Familien gegen die Wehrmacht der Nazis gekämpft und dazu beigetragen haben, dass Österreich nach 1945, dass wir alle heute noch in Demokratie und Frieden leben konnte. Diese Rolle Russlands als Befreier vom Nationalsozialismus ist kaum im Bewusstsein der Österreicher:innen. Im Bewusstsein ist auch nicht die Dimension der Verbrechen, die Nazi-Deutschland in Russland verübt hat: mehr als 1 Million Menschen sind allein in St. Petersburg während der Belagerung durch die NS-Truppen gestorben. Die Zahl der Toten ist so hoch, dass sie unsere Vorstellungskraft übersteigt.

„Hier ruhen 480 Soldaten und Bürger der Sowjetunion, die durch die Auswirkungen des 2. Weltkrieges ihr Leben verloren haben“ heißt es auf der Tafel am Friedhof von Neulengbach. „Auswirkungen des 2. Weltkrieges“ ist die verharmlosende Umschreibung der Verbrechen der Nationalsozialisten.

Die Tafel drückt auch aus, dass man es nicht schafft, Russland, oder zumindest den gefallenen Sowjetsoldaten, Respekt zu zollen. Es ist wohl so, wie es die Schriftstellerin Andrea Dusl beschrieben hat: „ Immer kam der Russe. Wenn man in Wien wohnte. In jeder Erzählung kam der Russe. Tatsächlich war der Russe aber nur einmal gekommen. Und nie wieder. Hatte die Wiener von den Faschisten befreit. Das haben die Wiener dem Russen nie verziehen. Die Faschisten haben die Wiener eigentlich ganz gern gehabt. Den Russen nicht. Vor dem Russen haben die Wiener Angst gehabt. Und diese Angst haben die Wiener in ihren verluderten Herzen bewahrt.“

Es sollte nicht so schwer sein, die Verbrechen der Nazis zu benennen und die Leistungen der Sowjetunion zur Befreiung Österreichs zu würdigen. Beides schließt nicht aus, den Angriff des heutigen Russlands auf die Ukraine als Verbrechen zu qualifizieren. So wie es wichtig ist, die Leistungen der USA zur Befreiung zu würdigen und den Marschall-Plan, mit dem die USA wesentlich zum Aufstieg und Wohlstand der Zweiten Republik beigetragen haben. Auch das kann man würdigen und gleichzeitig sehen, wie die USA unter Trump die Demokratie verlieren, Völkerrecht brechen und Kriegsverbrechen begehen.

Die Erinnerung an 1945 macht uns auch bewusst, wie die Welt sein könnte. Wenn Großmächte Seite an Seite für Freiheit und Menschenrechte kämpfen.

Den im Krieg gefallenen Menschen der Befreiungsmächte, die in Österreich begraben sind, sollten wir öfter und sichtbarer gedenken. Ihr Sterben sollte uns eine bleibende Mahnung sein.

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Das Haus der Geschichte in Zwentendorf

Zwentendorf in Niederösterreich ist vielen Österreicherinnen und Österreichern für sein Atomkraftwerk bekannt, das niemals in Betrieb gegangen ist. Die österreichische Bevölkerung hat die Inbetriebnahme nach Fertigstellung des Kraftwerks im Jahr 1978 in einer Volksabstimmung abgelehnt.

Das Kraftwerk steht heute noch da, direkt an der Donau. Im Sommerhalbjahr kann man, direkt vor dem Kraftwerk, in der Bärndorferhütte einkehren; ein circa 200 Jahre altes Bauernhaus, das im Jahr 2002 im Kärntner Lavanttal abgetragen und hier, direkt am Donauufer, wieder aufgebaut wurde.
https://www.baerndorferhuette.at/

Ein wahres Juwel, die eigentliche Überraschung, findet sich aber in der Ortsmitte von Zwentendorf. Direkt an das Rathaus der Gemeinde angeschlossen ist das Haus der Geschichte. Man hat sich nicht verlesen: Zwentendorf hat ein Haus der Geschichte. Seine Didaktik, seine Architektur, Ausstattung, Bestand und seine Erzählungen sind beeindruckend. Die Gemeinde spart ganz offensichtlich nicht bei der Darstellung ihrer Geschichte; und die ist vielfältig, vielschichtig und spannend. Das Museum beginnt Das Haus der Geschichte in Zwentendorf weiterlesen

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Die Hüter der Ruinen – zum Wirken der Juristinnen und Juristen. In Würdigung von Alfred J. Noll.

Im Mai 2026 erschien zur Würdigung von Alfred J. Noll (1960-2026) der Band Der Citoyen als Revolutionär. Zur Widerständigkeit des Rechts. Alfred J. Noll. Eine Würdigung im Verlag bahoe books.

Titelbild zu diesem Beitrag: Alfred J. Noll gemalt von Josef Schützenhöfer

Nachstehend mein Beitrag zu diesem Band.

Das unerwartete Ableben Alfred Nolls macht seine Würdigung zur selten schmerzvollen Aufgabe. Der große Respekt, der nahezu alle Nachrufe durchzieht, zeigt, welch große Lücke Alfred Noll hinterlässt. Alfred Nolls Leistungen, seine Werke, sie sind umfangreich und vielfältig, unüberschaubar geradezu. Die Forschungen Alfred Nolls zum Recht und zur Literatur, seine gesellschaftskritischen und philosophischen Texte, seine anwaltliche Tätigkeit, das Engagement in der Berufsvertretung und seine Tätigkeit als Abgeordneter im Parlament, all das verschafft Alfred Noll ein Alleinstellungsmerkmal in der österreichischen juristischen Fachwelt und Öffentlichkeit. Alfred Noll zählt ohne Zweifel zu den prägenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens des Landes. Die Hüter der Ruinen – zum Wirken der Juristinnen und Juristen. In Würdigung von Alfred J. Noll. weiterlesen

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In memoriam Alfred J. Noll – Freitagsgespräch mit Nikolaus Dimmel und Walter Famler

Freitag, 15. Mai 2026, 17 Uhr
Oliver Scheiber im Gespräch mit
Nikolaus Dimmel & Walter Famler
über den Anwalt, Rechtswissenschafter, Publizisten und Schriftsteller Alfred J. Noll

Alfred J. Noll, 1960 (Salzburg) – 2026 (Wien). Rechtsanwalt und Univ.-Prof. für Öffentliches Recht und Rechtslehre in Wien. 2017–2019 Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat (JETZT); u. a. Übertragungen von Thomas Hobbes‘ Menschliche Natur und politischer Körper und Freiheit und Notwendigkeit ins Deutsche; Verfasser einer achtbändigen Hobbes-Enzyklopädie – zuletzt: Band VI: Von pacta sunt servanda bis Ruhm.

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Gleiches Recht für alle – Freitagsgespräch mit Peter Resetarits

Freitagsgespräch aus der Alten Schmiede vom 17.4.2026

Gleiches Recht für alle – Medienformate wie Schauplatz Gericht und Bürgeranwalt als kritische Beobachtung von Gericht und Verwaltung

Peter Resetarits ist Sendungsverantwortlicher von Schauplatz Gericht und der Sendung Bürgeranwalt im ORF. Die Formate wurden ebenso wie Volksanwalt – gleiches Recht für alle von ihm entwickelt und bringen Gerichts- und Verwaltungsverfahren einem breiten Publikum näher.

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